Als Ryukyu kobu jutsu hat man einst die auf der Insel Okinawa entstandene Gruppe von Kampfkünsten bezeichnet, die wir heute unter dem Begriff Kobudo kennen. Sie bildeten sich gemeinsam mit dem Okinawa te, dem Vorläufer des Karate heraus. Es handelte sich hierbei um Kampfkünste mit Waffen, die im allgemeinen nichts anderes waren als gewöhnliche Geräte, wie sie bei der Ernte, beim Reisdreschen, bei der Fischerei usw. verwendet wurden. Um diese Waffen zu beherrschen, nutzte man die Kenntnis lokaler waffenloste Kampftechniken, wie das Naha te, das Shuri te oder das Tode. Diese Synthese führte zu originellen und realtiv komplexen Selbstverteidigungstechniken. Für den Gegner, die Samurai, welche einst die kleine Insel in ihren Besitz bringen wollten, waren diese Techniken oft außerordentlich überraschend und stets erschreckend wirkugnsvoll, und sie fügten ihm verheerende Verluste zu.
Die okinawanischen Waffenkünste zeichnen sich dadurch aus, dass sie grundsätzlich und in ihrem Wesen nach bis heute für den sportlichen Wettkampf nicht geeignet sind. Dies stellte die beste Garantie dafür dar, dass sie - im Gegensatz zu so vielen anderen Kampfkünsten - unverändert erhalten bleiben konnte, sowohl, was ihre Techniken angeht, als auch hinsichtlich ihres geistig-philosophischen Hintergrunds. Damit bewahren sie auch den Geist der "Unentgeltlichkeit" und der Reinheit. Dies ist vor allem für diejenigen wichtig, für die Kampfkünste ein authentisches Mittel darstellen, sich selbst beherrschen zu lernen.
Das Kobudo kennt über 20 Waffen. Die Hauptkünste des Kobudo beziehen sich auf den Umgang mit den wichtigsten unter ihnen: Bo (Stock), Sai (Dreizack - Gabel mit drei Zinken aus Metall), Tonfa (Holzstiel), Nunchaku (Dreschflegel für Reis aus Holz, zwei mit einer Schnur verbundene kurze Rundhölzer) und Kama (Sichel).
Dieser Text wurde freundlich genehmigt durch den Palisander Verlag (Quelle: "Kobudo - 1 Bo, Sai von Roland Habersetzer")